Sicherheitshandbuch für organische Peroxide: Lagerung, Handhabung, Transport und Notfallmaßnahmen

June 12, 2026 5 min read

Warum die Sicherheit im Umgang mit organischen Peroxiden besondere Aufmerksamkeit erfordert

Organische Peroxide sind thermisch instabile Verbindungen, die bei Einwirkung von Hitze, Verunreinigungen oder mechanischen Stößen eine exotherme, sich selbst beschleunigende Zersetzung durchlaufen. Obwohl sie in der Polymerherstellung unverzichtbar sind, erfordert ihr sicherer Umgang strenge Vorschriften, die weit über die üblichen Sicherheitsmaßnahmen für Chemikalien hinausgehen. Dieses Handbuch fasst das wesentliche Sicherheitswissen zusammen, über das jeder Anwender organischer Peroxide verfügen muss.

Haftungsausschluss: Dieser Leitfaden dient als allgemeine Referenz. Konsultieren Sie vor dem Umgang mit organischen Peroxiden stets das produktspezifische Sicherheitsdatenblatt (SDB) und den Chemikaliensicherheitsbeauftragten Ihres Unternehmens.

Die selbstbeschleunigende Zersetzungstemperatur (SADT)

Die SADT ist die niedrigste Temperatur, bei der es in einem organischen Peroxid in seiner handelsüblichen Verpackung zu einer selbstbeschleunigenden Zersetzung kommen kann. Sie ist der wichtigste Sicherheitsparameter überhaupt. Lager- und Transporttemperaturen müssen deutlich unterhalb der SADT gehalten werden – in der Regel mit einer Sicherheitsmarge von 10–15 °C.

Perodox-ProduktSADTMax. LagertemperaturLagerklasse
Perodox MEKP≥60 °C≤ 30 °CUnterhalb der SADT lagern; phlegmatisiert
Perodox LUNA (BPO)≥60 °C (benetzt)≤30 °CMuss benetzt bleiben (>25 % Wasser)
Perodox C (TBPB)≥60 °C≤30 °CStandardlagerung für organische Peroxide
Perodox DCP≥70 °C≤35 °CRelativ stabil; Standardlagerung
Perodox B (DTBP)≥70 °C≤ 35 °CRelativ stabil; Standardlagerung
Perodox EHP≥10 °C≤ –15 °CMuss im Gefrierschrank gelagert werden
Perodox 14 (LPO)≥40 °C≤ 20 °CKühlgelagerung erforderlich

Wichtiger Hinweis: Perodox EHP muss stets bei ≤ –15 °C (Tiefkühlbedingungen) gelagert werden. Jede Abweichung über diese Temperatur hinaus birgt das Risiko einer durch SADT ausgelösten Zersetzung mit schnellem Druckaufbau.

UN-Transportklassifizierung für organische Peroxide

Alle organischen Peroxide sind gemäß den UN-Modellvorschriften für die Beförderung gefährlicher Güter der Klasse 5.2 (Organische Peroxide) zugeordnet. Die spezifischen UN-Nummern hängen von der Art des Peroxids, der Konzentration und davon ab, ob es phlegmatisiert (desensibilisiert) ist:

Peroxid-ProduktUN-NummerRichtige VersandbezeichnungVerpackungsgruppeTemperaturkontrolle
Perodox MEKPUN 3105Organisches Peroxid Typ D, flüssigNicht erforderlich
Perodox LUNA (BPO, benetzt)UN 3104Organisches Peroxid Typ C, festNicht erforderlich
Perodox C (TBPB)UN 3103Organisches Peroxid Typ C, flüssigNicht erforderlich
Peroxid DCPUN 3110Organisches Peroxid Typ F, festNicht erforderlich
Perodox B (DTBP)UN 3107Organisches Peroxid Typ E, flüssigNicht erforderlich
Perodox EHPUN 3115Organisches Peroxid Typ D, flüssig, temperaturgeregelt≤ –10 °C
Perodox 101 (DBMPH)UN 3105Organisches Peroxid Typ D, flüssigNicht erforderlich

Bewährte Verfahren zur Lagerung

Anforderungen an die Lagereinrichtung

  • Spezielle Lagerung: Organische Peroxide müssen in einem separaten, deutlich gekennzeichneten Bereich gelagert werden – niemals zusammen mit Reduktionsmitteln, Beschleunigern, Säuren, Basen oder Schwermetallverbindungen.
  • Temperaturüberwachung: Kontinuierliche Temperaturaufzeichnung mit automatischen Hochtemperaturalarm. Für EHP wird eine doppelt redundante Gefrierkammerüberwachung mit automatischer Alarmweiterleitung empfohlen.
  • Brandbekämpfung: Sprinkleranlagen mit Wasserflutfunktion. Trockenlöscher sind bei Peroxidbränden unwirksam. Wasser ist das bevorzugte Löschmittel – es kühlt das sich zersetzende Peroxid unter die SADT ab.
  • Eindämmung: Aufgefangener Boden, um ausgelaufene Flüssigkeiten einzudämmen und eine Freisetzung in die Umwelt zu verhindern.
  • Belüftung: Mechanische Belüftung mit 6–10 Luftwechseln pro Stunde, um die Ansammlung von Zersetzungsdämpfen zu verhindern.

Behältermanagement

  • Behälter stets fest verschlossen halten, wenn sie nicht in Gebrauch sind.
  • Füllen Sie unbenutztes Peroxid niemals in den Originalbehälter zurück – Gefahr der Kreuzkontamination.
  • Verwenden Sie ausschließlich originale, zugelassene Behälter; füllen Sie das Produkt niemals in nicht zugelassene Verpackungen um.
  • Überprüfen Sie die Behälter monatlich auf Anzeichen von Druckaufbau (Ausbeulung), Korrosion oder Undichtigkeiten.
  • Befolgen Sie das FIFO-Prinzip (First In, First Out) bei der Bestandsführung – überschreiten Sie niemals die vom Hersteller empfohlene Haltbarkeitsdauer.

Anforderungen an die Handhabung und die persönliche Schutzausrüstung

AnwendungErforderliche Mindest-PSAZusätzliche Vorsichtsmaßnahmen
Laborprobenahme (≤ 100 g)Schutzbrille, Nitrilhandschuhe, LaborkittelAbzug; Metallspatel vermeiden
Umgang mit Fässern / UmfüllenChemikalienschutzbrille, Gesichtsschutz, Nitrilhandschuhe, chemikalienbeständiger Overall, Sicherheitsschuhe mit StahlkappenVerbindung und Erdung; funkenfreie Werkzeuge; keine Mobiltelefone
Befüllung des ReaktorsVollschutzanzug, Gesichtsschutz, Nitrilhandschuhe, Sicherheitsschuhe mit StahlkappenInerte Atmosphäre; langsame Zugabe; Temperaturüberwachung
Maßnahmen bei VerschüttungenVollschutzanzug, Atemschutzgerät (SCBA), Nitrilhandschuhe, ChemikalienstiefelBereich evakuieren; mit inertem Absorptionsmittel (Vermiculit) eindämmen; KEINESFALLS Sägemehl oder organische Absorptionsmittel verwenden
BrandbekämpfungVollständige persönliche Schutzausrüstung für Feuerwehrleute + umluftunabhängiges AtemschutzgerätStarker Wasserstrahl aus maximaler Entfernung; Evakuierung in Windrichtung

Unverträglichkeit: Was darf NICHT mit organischen Peroxiden gemischt werden?

Absolut unverträgliche Stoffe – diese Materialien können eine heftige Zersetzung auslösen:

  • Kobalt und andere Metallbeschleuniger (insbesondere mit MEKP – dies ist eine beabsichtigte Reaktion bei der UPR-Aushärtung, eine unkontrollierte Vermischung hat jedoch katastrophale Folgen)
  • Starke Säuren und Basen (Schwefelsäure, Natriumhydroxid, Amine)
  • Reduktionsmittel (Sulfide, Thiosulfate, Hydrazine, Metallpulver)
  • Schwermetallverbindungen (Eisen-, Kupfer- und Mangansalze)
  • Oxidierbare organische Stoffe (Sägemehl, Papier, Textilien, Öl)
  • Polymerisationsbeschleuniger (DMA, DMBA, Mercaptane)

Notfallplan

Kleine Verschüttung (<1 l/kg)

  1. Nicht unbedingt erforderliches Personal evakuieren.
  2. Alle Zündquellen beseitigen.
  3. Vollständige chemische PSA anlegen.
  4. Das verschüttete Material mit Vermiculit oder einem inerten mineralischen Absorptionsmittel eindämmen.
  5. Das aufgenommene Material in einen gekennzeichneten, belüfteten Abfallbehälter sammeln.
  6. Entsorgen Sie das Material gemäß den örtlichen Vorschriften als Sondermüll.
  7. Dokumentieren Sie den Vorfall.

Großflächiger Austritt oder Brand

  1. Lösen Sie den Anlagenalarm aus und evakuieren Sie den Standort unverzüglich.
  2. Rufen Sie die Rettungsdienste an – informieren Sie diese über „Division 5.2 Organisches Peroxid“.
  3. Sofern dies sicher ist und Sie dafür geschult sind: Kühlen Sie die Behälter aus maximaler Entfernung mit einem starken Wasserstrahl auf eine Temperatur unterhalb der SADT ab.
  4. Versuchen Sie NICHT, Behälter zu bewegen, die Anzeichen von Zersetzung aufweisen (Ausbeulung, Entgasung, Verfärbung).
  5. Richten Sie eine 500 m große Sperrzone in Windrichtung ein, wenn Zersetzungsdämpfe sichtbar sind.

Kurzübersicht zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

RegionVorschriftWichtigste Anforderung
ChinaGB 28644.3-2012, GB 27833-2011SADT-Prüfung, Einstufung für die Lagerung, Notfallplan
EUREACH (EG 1907/2006), CLP (EG 1272/2008)Registrierung, Einstufung, Sicherheitsdatenblatt (16-Abschnitte-Format)
USAOSHA 29 CFR 1910.1200, NFPA 400Gefahrkommunikation, Lagerungsmengenbegrenzungen, Einhaltung der Brandschutzvorschriften
InternationalIMDG-Code, IATA DGR, ADR/RIDUN-Klassifizierung, Erklärung zur Temperaturkontrolle, Verpackungszulassung

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn ein organisches Peroxid seine SADT überschreitet?

Oberhalb der SADT unterliegt das Peroxid einer selbstbeschleunigenden Zersetzung – einer exothermen Reaktion, bei der Wärme schneller entsteht, als sie von der Umgebung abgeführt werden kann. Dieser positive Rückkopplungskreislauf kann je nach Peroxidtyp und -menge innerhalb von Minuten bis Stunden zu einem raschen Druckaufbau, einem Behälterbruch, einem Brand oder einer Explosion führen.

Benötige ich eine spezielle Genehmigung für den Umgang mit organischen Peroxiden?

Die Anforderungen variieren je nach Rechtsordnung. In China ist für den Umgang mit organischen Peroxiden eine Genehmigung für die sichere Produktion und den sicheren Umgang mit gefährlichen Chemikalien erforderlich. In der EU lösen bestimmte Mengen Verpflichtungen gemäß der Seveso-III-Richtlinie aus. In den USA kann für bestimmte organische Peroxide das OSHA-Prozesssicherheitsmanagement (PSM) gelten. Wenden Sie sich an Ihre örtliche Aufsichtsbehörde.

Wie entsorge ich abgelaufene organische Peroxide?

Entsorgen Sie organische Peroxide niemals im Restmüll oder über die Kanalisation. Abgelaufene Peroxide müssen als Sondermüll behandelt werden. Die bevorzugte Entsorgungsmethode ist die kontrollierte Verbrennung in einer zugelassenen Sondermüllanlage. Bei kleinen Labormengen (<100 g) kann eine kontrollierte verdünnte alkalische Hydrolyse akzeptabel sein – konsultieren Sie zuvor das Sicherheitsdatenblatt (SDS). Wenden Sie sich an compliance@dosenderchem.com, um Entsorgungshinweise für bestimmte Do Sender-Produkte zu erhalten.

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